Eine der beliebtesten und am stärksten frequentierten Zugverbindungen Thüringens ist für Bahnreisende seit inzwischen fast einem Jahr nicht mehr durchgehend befahrbar: die Linie von Erfurt nach Leipzig. Die RB20 endet inzwischen regel- und planmäßig in Naumburg. Wer weiter nach Leipzig will, muss dort in die S-Bahn steigen. Auch nach dem nächsten Fahrplanwechsel im Dezember wird sich daran erst einmal nichts ändern – trotz Bemühungen der Landesregierung, diese Direktverbindung wiederzubekommen. Dafür, wie es um den Zugverkehr im Freistaat seit Jahren schon bestellt ist, ist das bezeichnend. Damit ist die Zukunft dieser Linie auch Ausdruck für etwas, was Verkehrspolitik auch sein kann.

Von Sebastian Haak
Erfurt/Leipzig – Eigentlich ist es gar nicht nötig, bis nach Naumburg – oder in diesen Tagen bis nach Weißenfels – zu fahren, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie voll es in den Nahverkehrszügen regelmäßig ist, die vom größten Bahnhof Thüringens aus in Richtung Leipzig fahren. Aber ebenso, wie keine Karte den Blick ins Gelände ersetzt, vermittelt auch der Blick in die App der Deutschen Bahn kein im engeren Sinne wirklich realistisches Bild davon, wie intensiv die Bahnen genutzt werden, die zwischen Erfurt und der sächsischen Großstadt verkehren.
Das Geschubse beim Ein- und Aussteigen. Das Gedränge beim Stehen in den Gängen und Türbereichen. Die Geruchsmischung aus Schweiß, Zigaretten, Alkohol, Parfüm. Wie das alles wirklich alle Sinne berührt, kann man bestenfalls erahnen, wenn man die App öffnet, die für ganz viele Tage und Tageszeiten anzeigt, dass auf dieser Strecke eine „hohe Auslastung erwartet“ wird. Das entsprechende Symbol dort hat ungefähr den gleichen Orange-Ton wie das Logo von Thüringen.Gerecht, also der neuen Partei, der Thüringens Verkehrsminister Steffen Schütz angehört. Er und diese Zugverbindung haben eine ganz besondere Verbindung.
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