Gera ist eine der wenigen großen Städte Thüringens. Die Stadt gilt als AfD-Hochburg. Ausgerechnet dort ist nun der Co-Landesvorsitzende der Grünen, Luis Schäfer, zum Bürgermeister eines nicht gerade kleinen Ortsteils gewählt worden, mit deutlichem Vorsprung auf die politische Konkurrenz. Von diesem Wahlerfolg kann seine Partei bestimmt ein bisschen lernen – mindestens, das Problem exakt zu beschreiben, das die Grünen vor allem in Thüringen und Ostdeutschland haben.

Von Sebastian Haak
Gera/Erfurt – Luis Schäfer ist da, wo sehr viele – wenn auch bestimmt nicht alle – seiner Parteifreunde unbedingt sein wollen: in der Mitte. „Jetzt geht es endlich los“, ruft ihm eine Frau zu, als er durch die Innenstadt Geras geht, auf dem Weg zu der Baustelle, die in ein paar Wochen sein neues Büro sein soll. Sie sitzt vor einer Schaufensterscheibe ziemlich genau gegenüber den Handwerkern, die an diesem Morgen dort Leisten schneiden, Kabel ziehen und mürrisch dreinblicken. Schon ein paar hundert Meter vorher, direkt neben dem Simsonbrunnen, der im Zentrum Geras steht, hatten ein Mann und seine Frau Schäfer ein fröhliches „Hallo!“ zugerufen.
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