Viele Familien in Deutschland haben sich in den vergangenen Monaten so intensiv wie selten zuvor damit auseinandergesetzt, dass ihre Vorfahren im Nationalsozialismus sehr viel wahrscheinlicher Täter als Opfer oder Widerstandskämpfer waren – während die Stiftung hinter der Gedenkstätte Buchenwald ausgerechnet in diesem Jahr das Thema „Widerstand“ zu ihrem Schwerpunkt macht. Im Interview mit Fokus Thüringen spricht der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, darüber, ob die Stiftung damit nicht unfreiwillig gegen ein längst überfälliges Bekenntnis arbeitet. Darüber, was es hieß, unter dem NS-Regime widerständig gewesen zu sein. Und darüber, warum damals vor allem Nicht-Deutsche Widerstand geleistet haben.

Der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora: Jens-Christian Wagner.
Der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora: Jens-Christian Wagner. Foto: Peter Hansen, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald.

Herr Wagner, die Stiftung stellt ihre Arbeit jedes Jahr unter ein bestimmtes Schwerpunktthema. Warum haben Sie sich 2026 für das Thema Widerstand entschieden?

Tatsächlich haben wir schon vor mehreren Jahren entschieden, Widerstand zu einem unserer Jahresthemen zu machen. Das hat vor allem damit zu tun, dass es in den vergangenen dreißig Jahren in der öffentlichen Debatte eher still geworden ist um den Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Wir wollen jetzt dazu beitragen, dass wir uns wieder stärker genau damit beschäftigen – aber nicht im Sinn der Mythen um den antifaschistischen Widerstandskampf, so wie es sie zur DDR-Zeit gab. Wir wollen einen kritischeren und breiteren Blick.

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