„So ehrlich muss ich sein“

Eigentlich wollte Bodo Ramelow aus der Politik aussteigen, mehr Zeit für die Familie, mehr Holzhacken auf seinem Grundstück in Ostthüringen. Stattdessen ist der ehemalige Thüringer Ministerpräsident nach seinem Abschied aus der Staatskanzlei in Erfurt Vizepräsident des Deutschen Bundestages geworden. Zur Erheiterung mancher Bundestagsabgeordneter, zum Frust anderer. Ob sich seine aktuellen Zukunftspläne noch mal ändern könnten, inklusive Rückkehr in die Thüringer Landespolitik? Im Interview mit Fokus Thüringen spricht der Linke über seine Zusammenarbeit mit der CDU-Frau und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, den nur einmal gültigen „Ramelow-schen Beschleunigungsgrundsatz“ und was es heißt, im Alter von 70 Jahren immer noch Politik zu machen – trotz anderer Pläne.

Die Haltestelle Bundestag in Berlin.
Ist der Deutsche Bundestag tatsächlich die letzte politische Haltestelle von Bodo Ramelow? Fotos: Die Linke / Jennifer Marke / pixabay

Von Sebastian Haak

Herr Ramelow, wenn man sich anschaut, was Sie als Vizepräsident des Deutschen Bundestages während der Plenarsitzungen, die Sie leiten, so alles treiben, kann man den Eindruck gewinnen, dass Sie da wirklich viel Spaß haben. Manchmal scheinen Sie sich sogar zu amüsieren. Ist das so?

Es gefällt mir, dieses Amt mit einer gewissen Fröhlichkeit auszufüllen. Ich muss Ihnen allerdings auch sagen, dass es einen Preis dafür gibt. In der Parlamentswoche konzentriere ich mich wirklich voll und ganz auf den Bundestag. Das ist ein großer Unterschied zu vor zwanzig Jahren, als ich schon mal Bundestagsabgeordneter war. Da konnte ich durch ganz Deutschland düsen und aus der PDS und WASG die Linke machen. So etwas wäre jetzt völlig undenkbar. Wenn Sitzung ist, bin ich an einer goldenen Kette an dieses Plenum gebunden. Ich bewege mich dann in einem maximalen Radius von vielleicht zehn Kilometern um den Reichstag herum.

Aber Sie haben Spaß?!

Na klar! Ich habe mich aus voller Überzeugung dazu entschieden, dieses Amt anzunehmen. Das Präsidium, das diesem Bundestag vorsteht, ist ein unglaublich gutes Team. Ich empfinde es als sehr wohltuend, mit Menschen zu arbeiten, die politisch sehr unterschiedlich sind, die aber vom gemeinsamen Gefühl getragen werden, Verantwortung für den Bundestag übernehmen zu wollen.

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