Gewalt und sexueller Missbrauch sind ebenso dunkle wie allgegenwärtige Facetten des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Der Sport hat nicht nur lange, sondern zu lange gebraucht, um zu verstehen, dass auch er nicht frei davon ist, dass beides auch in Sportvereinen passiert. Ausgerechnet der Fall eines Turntrainers des HSV Weimar immerhin hat dazu geführt, dass das Bewusstsein für derartige Gefahren heute größer ist, als noch vor einigen Jahren. Zu diesem Beispiel aus der Welt des organisierten Sports liegt nun ein Abschlussbericht vor. Dieses Papier legt nahe, dass es trotzdem alles andere als einfach werden wird, Menschen dazu zu bringen, Gewalt und Missbrauch nicht nur zu sehen. Sondern wirklich hinzuschauen. Das bedeutet auch Forderungen an die Landespolitik.

Von Sebastian Haak
Erfurt – Es ist ein eigenartiger Moment, als der zweite Vorsitzende des HSV Weimar aufsteht und die Stellungnahme seines Vereins vorträgt. Er wolle die wirklich ablesen, um sicherzugehen, dass er nichts Wichtiges vergesse, sagt Matthias Stieff. Seine Anspannung ist deutlich zu spüren. Die muss umso größer sein, weil auch einige der jungen Frauen im Raum sind, denen in dem Verein, den er heute mitführt, großes Leid angetan worden ist. Stieff schaut sich immer wieder um, ehe er beginnt zu lesen, schaut in die Gesichter der Anwesenden, in die Kameras, die auf ihn gerichtet sind.
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