Bei der selbsternannten Friedenspartei BSW herrscht innerparteilich genau das nicht: Frieden. Der Konflikt zwischen dem Bundesvorstand der Partei und deren Gründerin, Sahra Wagenknecht, auf der einen und dem Thüringer BSW auf der anderen Seite ist nun so eskaliert wie noch nie in der inzwischen langen Geschichte dieses Konflikts. Einer, der aus seiner Haltung in diesem Streit keinen Hehl macht und sich eindeutig gegen Wagenknecht und ihre Gefolgsleute sowie deren Annäherung an die AfD stellt, ist der Thüringer Infrastrukturminister Steffen Schütz. Er war mal Landesvorsitzender des BSW im Freistaat. Im Interview mit Fokus Thüringen spricht er darüber, warum er mittlerweile Zweifel daran hat, dass es beim BSW demokratisch zugeht, mit welcher Einschätzung er sich geirrt hat – und ob er sich ein BSW ohne Wagenknecht vorstellen kann.

Herr Schütz, wer sich mit Ihnen kurz nach Ihrem Wechsel in die Politik darüber unterhalten hat, warum Sie das getan haben, dem haben Sie immer wieder gesagt, Sie wollten für Thüringen Dinge zum Guten wenden und die AfD von der Macht fernhalten. Es gehe Ihnen nicht um Posten, Geld, Dienstwagen – oder parteitaktische Spielchen. Da frage ich mich, nach allem, was Sie in den vergangenen ungefähr zwei Jahren erlebt haben: Warum sind Sie immer noch in der Politik?
Weil ich dankbar bin, dass ich das machen darf, was ich mache. Ich kann Dinge gestalten und dabei helfen, Thüringen moderner und digitaler aufzustellen. Die positiven Seiten meines Daseins als Politiker, als Minister überwiegen. Trotzdem konnte ich mir damals nicht vorstellen, was ich inzwischen alles weiß und erlebt habe.
Ich hätte die Frage vielleicht präziser stellen müssen: Warum sind Sie nach all dem, was Sie inzwischen an parteitaktischen Spielchen und innerparteilichen Machtkämpfen erlebt haben, noch immer im BSW?
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