Als Russland 2022 die Vollinvasion der Ukraine begann, war die vom damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz ausgerufene „Zeitenwende“ zunächst vor allem eine militärische Angelegenheit. Mehr als vier Jahre nach Beginn des Krieges in Osteuropa wird nun aber vielen Menschen immer klarer, dass sich Kriege nicht gewinnen lassen, wenn nicht auch der zivile Teil einer Gesellschaft die Verteidigung eines Landes, eines Staates, einer Gesellschaft unterstützt. Im Interview mit Fokus Thüringen spricht der Kommandeur des Landeskommandos der Bundeswehr, Oberst Klaus Glaab, darüber, wie es um das Mindset von Landesregierung, Kommunalpolitikern und Menschen im Freistaat zur Verteidigungsbereitschaft steht. Darüber, welche große Frage er in seinem Kopf nicht gelöst bekommt. Und darüber, warum ihn Geschichten von Campingkochern zuversichtlich stimmen.

Oberst Klaus Glaab
Kommandeur und Staatsbürger in Uniform: Oberst Klaus Glaab. Foto: Bundeswehr

Herr Oberst, sind wir schon das, was wir jedenfalls nach den Vorstellungen des derzeitigen Bundesverteidigungsministers Boris Pistorius werden sollen: kriegstüchtig?

Mit Kriegstüchtigkeit hat sich der Verteidigungsminister speziell auf die Streitkräfte bezogen und das auch spitz formuliert. Das, was hinter dieser Begrifflichkeit steht, fasse ich unter den Begriffen Verteidigungsbereitschaft und Verteidigungsfähigkeit zusammen. Das alles ist anschlussfähig an unseren Auftrag, den wir im Rahmen der Nato haben, nämlich an der Nato-Ostflanke Abschreckung gegenüber dem Hauptaggressor zu leisten. Der ist in unserer Nationalen Sicherheitsstrategie und auch in unserer Militärstrategie klar benannt. Das ist Russland. Und für uns als Soldaten bedeutet das, dass wir uns darauf vorbereiten, in einem Krieg bestehen zu können, dass wir kämpfen können, um zu gewinnen. Aber nicht, um Territorien einzunehmen. Sondern um das Territorium der Nato zu verteidigen.

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