Anders als in vielen anderen Berufen wird bei Lehrerinnen und Lehrern die Arbeitszeit immer noch nicht systematisch und verpflichtend erfasst. Nicht mal mehrere Gerichtsurteile aus der jüngeren Vergangenheit haben daran etwas ändern können. Dabei könnte eine solche Erfassung ziemlich vielen Menschen helfen. Den Lehrkräften, die tatsächlich zu viel arbeiten. Und auch dem Staat, der in der Regel Arbeitgeber oder Dienstherr der Pädagogen ist, weil er dann ein Argument denen gegenüber hätte, die nur behaupten, sie würden mehr arbeiten, als vorgeschrieben ist. Technisch ist eine solche Erfassung heute deutlich weniger aufwändig als noch vor einiger Zeit, wie ein Projekt der Bildungsgewerkschaft GEW zeigt – das wohl aber in Thüringen nicht zur Anwendung kommen wird. Der hiesige Landesverband dieser Gewerkschaft fordert eine andere Herangehensweise an diesen Themenkomplex. Während das zuständige Ministerium in dieser Sache noch ein bisschen warten will.

Von Sebastian Haak
Erfurt – Irgendwann hatte Stephanie Horing genug. Schon lange, sagt sie, habe sie in Teilzeit gearbeitet. Als Mutter von drei Kindern habe sie Familie und Beruf jahrelang gar nicht anders miteinander vereinbaren können. Aber immer habe sie in all diesen Jahren den Eindruck gehabt, sie arbeite eigentlich deutlich mehr Stunden, als sie qua Vertrag und Bezahlung arbeiten müsste. „Deswegen wollte ich gerne wissen, wie viel ich wirklich arbeite“, sagt Horing. Noch vor Beginn der Corona-Pandemie hatte sich Horing, eine 48-jährige Grundschullehrerin, solche Gedanken gemacht.
Inzwischen hat dieser Drang zu etwas geführt, das maßgeblich dazu beitragen dürfte, die seit Jahren laufende Debatte um eine Arbeitszeiterfassung für Lehrer zu einem vielleicht ziemlich konkreten Ergebnis zu führen. Auch in Thüringen. Indirekt. Und was könnte dieses Etwas in diesen Zeiten anderes sein als etwas Digitales, als eine App?
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