Es gibt nur wenige Organisationen, die rechtsextreme Strömungen in Thüringen schon so lange im Blick haben, wie Mobit. In diesem Jahr begehen der Trägerverein, Mobit e.V., und das gleichnamige Demokratie-Projekt ihre 25. Geburtstage. Im Interview mit Fokus Thüringen sprechen die stellvertretende Vorsitzende des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen und Vorsitzende des Mobit e.V., Renate Sternatz, und die Projektleiterin von Mobit, Romy Arnold, darüber, ob ihnen angesichts des Zustands der Demokratie überhaupt zum Feiern zumute ist; darüber, welche spezifisch ostdeutschen Verhältnisse den Aufstieg der AfD katalysieren. Und darüber, was Schulen, aber auch Kirchen und Gewerkschaften davon haben, dass es Mobit gibt.

Frau Sternatz, die Gründung von Mobit im Jahr 2001 – sowohl des Vereins als auch des Beratungsprojekts – war eine Reaktion auf den Anschlag auf die Neue Synagoge in Erfurt im April 2000. Der Anlass dafür, dass es Mobit gibt, war also geradezu dramatisch. Ist es also ein Grund zum Feiern, wenn Mobit nun 25 Jahre alt wird?
Sternatz: Man muss unseren Geburtstag im Kontext sehen, ganz klar. Der Anschlag auf die Synagoge damals war auch ein Ausdruck der Baseballschlägerjahre. Seit damals hat sich der Rechtsextremismus deutlich gewandelt. Er hat sich immer weiter in die gesellschaftliche Mitte hinein ausgebreitet, nicht zuletzt durch das Wirken der AfD, die zunehmend politische Mandate gewonnen hat, im Landtag, aber auch in Kreistagen und Stadtparlamenten, vor allem im ländlichen Raum …
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