Während im Thüringer Landtag noch immer eine Entscheidung darüber aussteht, ob im Freistaat neun weitere getötete Menschen als Opfer rechter Gewalt anerkannt werden sollen, ist in Erfurt eine Ausstellung eröffnet worden, die die Banalität der Orte zeigt, an denen diese Taten geschehen sind. Das, was der Fotograf Julius Schien dazu erzählt, wie seine Bilder entstanden sind, scheint so manches Klischee über Thüringen und Ostdeutschland zu erfüllen. Wer ihm länger zuhört, findet aber zumindest ein bisschen Hoffnung. Auch für den Osten der Republik. Selbst in Zeiten, in denen die Wahlergebnisse keinen Zweifel daran lassen, wie viele Menschen der Neuen Rechten verfallen sind. Und wie egal vielen Menschen das Schicksal der Getöteten ist.

Von Sebastian Haak
Erfurt – Es gibt kein schlechteres und gleichzeitig kein bezeichnenderes Setting für die Eröffnung der Ausstellung „Rechtes Land“ als das Setting, in dem genau diese Ausstellung am Samstag tatsächlich eröffnet wird. Fröhliches Lachen, amüsiertes Schreien und schiefe Blasmusik wehen vom nahen Domplatz herüber, als Franziska Schestak-Haase sagt, warum die Opferberater von ezra so sehr darauf gedrungen haben, dass diese Schau in den nächsten Tagen in der Gedenkstätte Andreasstraße zu sehen sein soll. Das ist auch so, als die Frau, die selbst als Beraterin bei dieser Organisation arbeitet, die Namen der Menschen nennt, an deren Tod in dieser Ausstellung erinnert wird.
Auf dem Domplatz wird ein Oktoberfest gefeiert. Hunderten und aberhunderten Besuchern dieser peinlich-bayerischen Festivitätskopie ist völlig egal, was zeitgleich auf dem Gelände der Gedenkstätte passiert.
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