Die Geschichte einer Tür

Weil sein Stammsitz seit dem Jahr 2022 saniert wird, ist das Landgericht Erfurt in ein anderes Gebäude umgezogen. Das liegt zwar auch inmitten der Landeshauptstadt. Aber es hatte bis vor Kurzem eine Besonderheit: eine Tür. Genauer gesagt, eine Ausgangstür. Die ist jahrelang von einem einzelnen Wachmann beschützt worden. Das meint, ganz konkret: Etwa 1.100 Öffnungstage lang hat in diesem Gerichtsgebäude ein Mensch gesessen und anderen Menschen zugeschaut, wie sie das Haus verlassen haben. Tag für Tag. Stunde um Stunde. Die dafür aufgelaufenen Kosten dürften im sechsstelligen Euro-Bereich liegen. Und das in Zeiten, in denen im Thüringer Landeshaushalt jedes Jahr hunderte Millionen Euro fehlen und an so ziemlich allen Ecken und Enden gespart werden muss. Manche, die in der Justiz arbeiten, sagen, diese Tür und ihr Schutz stünden exemplarisch dafür, wie in der Justiz noch immer Ressourcen verschwendet werden.

Der Stammsitz des Landgerichts Erfurt am Domplatz in der Landeshauptstadt.
Der Stammsitz des Landgerichts Erfurt am Domplatz in der Landeshauptstadt. Weil diese Räumlichkeiten seit 2022 saniert werden, ist das Gericht umgezogen. Eine der Ausgangstüren am derzeitigen Sitz des Gerichts ist – zu wohl immensen Kosten – jahrelang von einem Menschen bewacht worden. Fotos: Sebastian Haak/Pixabay

Von Sebastian Haak

Erfurt – Dass die meisten Menschen, die Gerichts- oder Justizgebäude betreten, am Eingang kontrolliert werden, ist seit vielen Jahren Routine in Deutschland. Also auch in Thüringen.

In der Regel private Sicherheitsfirmen stellen deshalb für Thüringer Gerichte oder Justizzentren Mitarbeiter, die Ausweise kontrollieren, Taschen durchsuchen, Menschen durch Metalldetektoren schleusen. Das alles, um sicherzugehen, dass Unbefugte keine gefährlichen Gegenstände in diese Gebäude bringen, in denen die Emotionen oft hochschlagen. Bei besonders großen Prozessen werden solche Kontrollen durch Justizbeamte oder Polizisten unterstützt. Eingangstüren zu bewachen, ist für den Bereich der Justiz also ziemlich unstrittig eine sinnvolle Sache, auch wenn das sehr viel Geld kostet.

In dieser Geschichte hier geht es aber nicht um eine Eingangstür. Sondern um eine Ausgangstür. Eine, die am aktuellen Sitz des Landgerichts Erfurt am Juri-Gagarin-Ring in Erfurt zu finden ist.

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