Nicht in einem kleinen Gemeinderat, sondern im Stadtrat der größten Kommune Thüringens ist ein Mann mit SPD-Parteibuch in Abhängigkeit von der AfD zum Baudezernenten gewählt worden. Anschließend hat er die Wahl auch noch angenommen. Der Fall strahlt weit über die Grenzen dieser Partei und Erfurts hinaus. Nicht nur, weil er ein weiteres Beispiel dafür ist, wie sehr die viel beschworene Brandmauer inzwischen geschleift worden ist und dass inzwischen sogar ihre Reste in Flammen stehen. Er zeigt auch, wie jenseits von strategisch-inhaltlichen Entscheidungen von Parteien auch persönliche Entscheidungen dazu führen, dass der Rechtsextremismus in Deutschland inzwischen vielen Menschen ziemlich normal erscheint.

Von Sebastian Haak
Erfurt – Für die einen ist das, was an diesem Abend in Erfurt passiert ist, ein Grund zum Feiern, zum Jubeln. Sogar ein Grund zum Singen.
Also singen mehrere Stadträte der AfD auf dem Weg nach draußen, als sie am Mittwochabend das Rathaus der Landeshauptstadt verlassen, in dem sie kurz zuvor einen Mann namens Philippe Wolff zum Baudezernenten gewählt haben. Laut und ausgelassen singen sie „We Are the Champions“, einen der bekanntesten Songs von Queen. Die Szene ist in einer Instagram-Story des Erfurter Kreisverbandes der AfD festgehalten, was unterstreicht, welches Siegesgefühl die AfD-ler ob der Vorkommnisse dieses Abends umfängt. Dabei ist Wolff nicht mal einer der ihren. Jedenfalls nicht qua Parteibuch.
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