Die – jetzt unter neuem Namen auftretenden – Reste des Thüringer BSW haben sich in den vergangenen Tagen mit großer Geschwindigkeit neu organisiert, ein neues Partei-Logo kreiert, Formalkram erledigt. Dann haben sie CDU und SPD neu versprochen, mit ihnen gemeinsam den Freistaat regieren zu wollen. Ein bisschen passend zur politischen Lage im Land ist die Unterzeichnung der entsprechenden Zusatzvereinbarung zum Koalitionsvertrag erheblich bescheidener ausgefallen als die Sause, mit der das Brombeer-Bündnis vor nicht einmal zwei Jahren geschlossen worden war. Die Blicke in der Landespolitik reichen aber längst über das hinaus, was jüngst passiert ist. Die Fragen, die sich dabei stellen, haben alle mit dem Jahr 2029 zu tun.

Von Sebastian Haak
Erfurt – Es ist nur ein Versprecher, davon darf man ganz fest ausgehen. Aber eben doch ein sehr bezeichnender Versprecher.
„Ich freue mich auf alles, was jetzt kommt“, sagt Katja Wolf, als sie am Montag in Erfurt verkündet, dass sie gemeinsam mit etwa zwei Dutzend anderen Ex-BSW-Mitgliedern eine neue Partei gegründet hat. Deren Name: Thüringen.Gerecht. „Ich freue mich nicht nur auf diese Aufbruchstimmung, sondern auch auf dieses Miteinander.“ Sie freue sich darauf, mit ihren neuen, alten Parteifreunden ein neues Parteiprogramm zu entwickeln. Sätze, Floskeln, sind das, die Politiker eben so sagen, wenn sie eine neue Partei gründen oder in eine junge Partei neu eintreten. Bei Wolf war das zuletzt 2024 so, als sie die Linke verlassen hatte und zum BSW gewechselt war.
Dann sagt sie: „Ich weiß, dass wir eine Repräsentationslücke finden werden.“ Sie sagt wirklich „finden werden“.
Für das, worum es in Thüringen in den nächsten Jahren jenseits der Tagespolitik gehen wird, ist dieser Versprecher – der eigentlich gar keiner ist – eine Offenbarung.
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